Die Süd-Süd-Zusammenarbeit, die auf der Bandung-Konferenz entstand, erlebte seit den 1980er Jahren eine Phase der Stille und gewann im 21. Jahrhundert mit einer Reihe innovativer Kooperationspraktiken neue Dynamik. Einige Studien erklärten die historische Entwicklung der Süd-Süd-Zusammenarbeit und ihre Wiederbelebung im 21. Jahrhundert aus der Perspektive von Machtwettbewerb und Einflusskampf, funktionalistischer Kooperation sowie Identitäts- und Normbildung, jedoch wurde der dynamische Entwicklungsprozess der Süd-Süd-Zusammenarbeit als internationale Praxis nicht ausreichend berücksichtigt. Nach der Theorie internationaler Praktiken findet Süd-Süd-Zusammenarbeit in einem bestimmten Feld statt und wird durch Hintergrundwissen gesteuert. Sie entfaltet sich im Rahmen der dominanten Praxis durch drei konkrete Praktiken: innovative Entwicklung von Finanzierungsformen, Wissensaustausch und Infrastrukturaufbau. Diskursive Praktiken wie "Win-Win", "Nichteinmischung" und "Gleichbehandlung" bündeln die Identitätsübereinstimmung und verleihen der Süd-Süd-Zusammenarbeit Bedeutung. Gemeinsam mit der dominierenden Praxis der nachhaltigen Entwicklung treiben sie die Entwicklung der Süd-Süd-Zusammenarbeit voran. Dieser Artikel führt die Theorie der internationalen Beziehungen aus der Perspektive der Praktiken in die Süd-Süd-Zusammenarbeit ein, bereichert theoretische Perspektiven, ergänzt die bestehende Forschung hinsichtlich dynamischer Prozesse der Süd-Süd-Zusammenarbeit und hilft, aktuelles Entwicklungswissen und -theorien auf westlicher Erfahrung basierend zu reflektieren, um den "Westzentrismus" zu überwinden und dem globalen Süden eine bessere Beteiligung an der globalen Entwicklungsgovernance und Reform des globalen Entwicklungssystems zu ermöglichen.