【Zusammenfassung】Mit der Entwicklung der KI-Technologie und den Veränderungen der Weltordnung zeigt die KI-Politik der EU als traditionelle normative Kraft eine eindeutige Wende zum Realismus. Dieser Artikel nimmt die Theorie der „Europa als normative Kraft“ zum Ausgangspunkt und zeichnet systematisch die Entwicklung der EU-KI-Politik nach, die sich vom frühen Fokus auf ethische und wertebasierte Prinzipien hin zu einer schrittweisen Hinwendung zur Festlegung von Standards und der Ausgabe von Regeln entwickelt hat. Dabei stärkt die EU durch den Ausbau von Kapazitäten und die Verschärfung regulatorischer Beschränkungen ihre digitale Souveränität, was eine deutliche Tendenz zur Generalisierung von Sicherheit und Militarisierung der Politik zeigt. Die Studie zeigt, dass die EU trotz der weiterhin betonten „menschenzentrierten“ Wertnormen angesichts internationaler Konkurrenz und innerer sowie äußerer Sicherheitsbedrohungen ihre Politikgestaltung zunehmend geopolitischen und wirtschaftlichen Interessen dient, was sich in Aspekten wie „Long-Arm-Jurisdiktion“, differenzierten Compliance-Anforderungen und Ausnahmen für militärische und nationale Sicherheitsanwendungen widerspiegelt. Dieser realistische Wandel stärkt einerseits die technologische Resilienz und Regelwirksamkeit der EU, schwächt andererseits jedoch ihre Autorität und Glaubwürdigkeit als normative Kraft und offenbart die innere Spannung zwischen Wertprinzipien und realistischen Interessen. Die realistische Wende der EU-KI-Politik ist nicht nur eine strategische Anpassung an die Herausforderungen des digitalen Zeitalters, sondern zeigt auch die komplexe Wechselwirkung zwischen normativen Narrativen und Machtpolitik in der globalen Technologiegouvernanz und bietet einen Bezugspunkt zum Verständnis strategischer Entscheidungen und der Umgestaltung der Rollen internationaler Akteure im digitalen Zeitalter.