Zusammenfassung: Die von dem deutschen Sinologen Richard Wilhelm übersetzte Buchreihe "Religion und Philosophie Chinas" (1910–1930) nimmt eine besondere Stellung in der deutschsprachigen Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts ein. Als wichtiges Bindeglied zwischen Autor und Leserschaft baute der Verlag Eugen Diederichs eine ideale Plattform für Publikation und Verbreitung, um die Beschränkungen der akademischen Sinologie zu überwinden und die deutsche Moderne an der Jahrhundertwende des 19. und 20. Jahrhunderts einzubinden. Unter der starken Förderung Diederichs wurden Wilhelms deutsche Übersetzungen chinesischer Klassiker als frische Importquelle neuer Gedanken auf den deutschen Kulturmarkt gebracht, zogen das Interesse einer avantgardistischen deutschsprachigen intellektuellen Elite auf sich und verbreiteten sich im deutschsprachigen Kulturkreis im Nachgang des Ersten Weltkriegs weit, was eine neue Denkrichtung im Umgang mit chinesischen Klassikern im 20. Jahrhundert in Deutschland begründete. Obwohl es in den 1920er Jahren zu Konflikten zwischen Wilhelm und Diederichs über die kulturelle und marktbezogene Wertsetzung kam, blieben beide stets der Suche nach wahrhaftigem kulturellem Wert verpflichtet und förderten die hochwertige Herausgabe der Reihe "Religion und Philosophie Chinas" bis zu ihrem Lebensende im Jahr 1930.