Literatur als Bildungsmedium – Sprachordnung und Wahrnehmungsrekonstruktion in Stifters Erzählung „Marmor“
JIANG Chengji
,
DOI:
摘要
Dieser Artikel konzentriert sich auf das Bildungsthema in Stifters mittelkurzer Erzählung „Marmor“ und erforscht die Wechselbeziehung zwischen kindlicher Wahrnehmung und Sprachordnung, wie sie in der Erzählung dargestellt wird. Durch eine genaue Textlektüre lässt sich feststellen, dass der Protagonist durch die Führung seines Großvaters den natürlichen und kulturellen Raum neu erkennt, sich in der Dimension der historischen Erinnerung aus dem unschuldigen Schweigen befreit und in eine von der Sprachordnung etablierte Regelwelt eintritt. Unter dem Einfluss der Sprachordnung verändert sich auch sein Wahrnehmungsmuster: Im Gegensatz zur bildhaften Wahrnehmung zu Beginn der Erzählung wird die Wahrnehmung am Ende zu einem rationalen Gedächtnisarchiv. Dieser schrittweise Bildungsprozess spiegelt sich sowohl in der lockeren Erzählstruktur der Erzählung wider als auch in der Rolle der Literatur als Bildungsmedium in den Erzählstrategien und kulturellen Bedeutungen der Realismusperiode.